Otto Berger
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1907 - 2002 |
Schon als Kind kam Otto Berger mit den Fundstücken der Vorzeit in Berührung. Seine Sammlerleidenschaft, sein geübter Blick für ungewöhnliche Formen führte dazu, daß kaum ein Spaziergang über die Felder in der Umgebung Bernhardsthals, in die Auen und in die Schottergruben ohne neue Fundstücke für seine Sammlungen zu Ende ging.
Otto Berger war Kaufmann, lernte das Gewerbe bei seinem Vater und eröffnete 1949 eine Eisenwarenhandlung, die bald zum Geschirrfachgeschäft und Fahradfachgeschäft für die Bernhardsthaler und die Umgebung wurde. Er war immer ein Tüftler und konnte so manchem Radler aus der Verlegenheit helfen. Das wußte auch ein russicher Besatzungssoldat zu schätzen, dem Otto das Rad reparieren mußte. Ängstlich und froh darüber, daß er dem fremden Soldaten helfen konnte, wollte er auf eine entsprechende Entlohnung verzichten und verlangte bescheiden 2 Schilling. Darauf der Russe: "Du Spezialist, du zwanzig Schilling". Eine Geschichte, die Otto Berger immer gerne erzählte.
Nach und nach füllte sich sein Haus mit seinen Fundstücken aber auch mit volkskundlichen Gegenständen, die ihm die Bernhardsthaler brachten. Wegwerfen war ihm ein Fremdwort. So kannte er die Herkunft jedes Stücks und wußte meist auch noch eine kleine Story dazu. Leider war er kein Freund des Aufschreibens. So trifft es uns heute sehr, daß wir ihm nicht immer aufmerksam genug zugehörten und so vieles, was er uns erzählte, nicht wichtig genug genommen haben.
Otto Berger durfte es erleben, daß die Gemeinde Bernhardsthal für die urgeschichtliche Sammlung und die vielen, bis heute noch ungeordneten Fundstücke ein Haus zur Verfügung stellte und dieses Museum nach ihm benannte. Das Land Niederösterreich verlieh ihm das silberne Verdienstabzeichen für seine Sammlertätigkeit und für die Leitung des Museums.
Das Schicksal wollte es, daß er, als Bernhardsthaler geboren auch als Bernhardsthaler sterben durfte. Sein Lebenskreis erstreckte sich über kam hundert Meter von seinem Geburtshaus zu seinem Geschäft und zu seinem Museum. Und vor seinem Geburtshaus verstarb er auch. Trotz der Gebrechlichkeit in seinen letzten Lebensmonaten, ließ er es sich nehmen, noch einmal bis zu seinem Museum zu laufen. Er schaffte es nicht mehr. Es muß ein schneller Tod gewesen sein.
Am Tag zuvor überraschte er uns noch am Museumsplatz beim "Wäschefest", welches die Eröffnung einer Sonderausstellung in seinem Museum umrahmte. Wußte er, daß er Abschied nehmen mußte ?
Wir haben ihm viel zu verdanken und werden immer an ihn denken.

Otto Berger (90) mit Sohn Walter und Bürgermeister Johann Saleschak als Kunde.